Biologisches Düngen

Wenn im folgenden Text von einem Podcast die Rede ist, bezieht sich das auf eine Ö1-Sendung „Vom Leben der Natur“ – der auch als Podcast zur Verfügung steht. Die Sendung ist vom 20.-24.4.2026 gelaufen. (https://sound.orf.at/radio/oe1/sendung/238332/vom-leben-der-natur bzw im Ö1-Player)

Wenn im Text von „kompostieren“ die Rede ist, dann kann das einerseits unser Kompostsammler in der Ecke sein – oder, besonders wenn es potentiell um kranke Pflanzenreste (zB Mehltau) geht, der 48er-Biomüll-Kübel.
Der Kompost, den wir dann von der 48er in beliebigen Mengen „zurück“ bekommen ist voll OK, also ist fraglich ob wir uns um das selbst kümmern müssen.

Genug Vorwort:

Worum geht’s?

Biologisch düngen heißt nicht: möglichst viel Dünger ausbringen. Es heißt: den Boden lebendig halten, organische Stoffe zurückführen und den Pflanzen je nach Bedarf das geben, was sie brauchen.

Für unseren Gemeinschaftsgarten ist das besonders wichtig, weil wir viele verschiedene Kulturen anbauen: Paradeiser, Zucchini, Melanzani, rote Rüben, Spinat, Kräuter, Blumen, Gründüngung und vieles mehr. Manche Pflanzen brauchen sehr viele Nährstoffe, andere deutlich weniger. Gleichzeitig wollen wir den Boden nicht auslaugen, nicht überdüngen und möglichst viele Nützlinge fördern.

Biologische Düngung besteht daher aus mehreren Bausteinen:

Kompost und Wurmhumus
Mulch
Gründüngung
Fruchtfolge
Pflanzenjauchen und Komposttee
ein guter Umgang mit Laub, Pflanzenresten und Bodenleben
vorsichtiges Nachdüngen bei stark zehrenden Kulturen

Der Boden ist kein „Dreck“, sondern ein lebendiges System

Ein fruchtbarer Gartenboden lebt. In ihm arbeiten Regenwürmer, Asseln, Springschwänze, Pilze, Bakterien und viele andere Bodenlebewesen. Sie zersetzen organisches Material und machen daraus Humus und pflanzenverfügbare Nährstoffe.

Darum ist biologisches Düngen nicht nur „Pflanzen füttern“. Es ist vor allem „Bodenleben füttern“.

Kompost, Mulch, Pflanzenreste und Gründüngung sind dafür besonders wichtig. Sie liefern organische Masse. Diese wird langsam abgebaut und versorgt die Pflanzen über längere Zeit. Das ist ein großer Unterschied zu schnell löslichen Mineraldüngern, die kurzfristig wirken, aber das Bodenleben nicht in gleicher Weise aufbauen.

Die Umweltberatung beschreibt Mulch, Kompost und Gründüngung als Maßnahmen, die das Bodenleben fördern und zur fruchtbaren Krümelstruktur beitragen. Organische Dünger werden von Bodenorganismen langsam abgebaut; die Nährstoffe werden nach und nach frei. (umweltberatung.at)

Nicht alle Pflanzen brauchen gleich viel Dünger

Gemüse kann man grob in drei Gruppen einteilen: Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer.

Starkzehrer brauchen viele Nährstoffe. Dazu gehören zum Beispiel Paradeiser, Paprika, Melanzani, Zucchini, Kürbis, Gurken und viele Kohlgewächse. Sie stehen lange am Beet und sollen viele Früchte bilden. Dafür brauchen sie mehr Nährstoffe.

Mittelzehrer brauchen eine mittlere Versorgung. Dazu gehören viele Wurzelgemüse und Knollengemüse, zum Beispiel rote Rüben, Karotten, Pastinaken, Fenchel und Zwiebeln.

Schwachzehrer kommen mit weniger Nährstoffen aus. Dazu gehören viele Blattgemüse wie Salate und Spinat, außerdem Radieschen, Erbsen und Bohnen. Leguminosen wie Erbsen und Bohnen können mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff binden und sind daher eine eigene, besonders wertvolle Gruppe.

Andrea Heistinger nennt im Podcast als Richtwerte für Gartenkompost: Schwachzehrer 3 bis 5 Liter pro Quadratmeter, Mittelzehrer 5 bis 7 Liter pro Quadratmeter und Starkzehrer 8 bis 12 Liter pro Quadratmeter Beetfläche. Wurmhumus ist deutlich konzentrierter; davon braucht man entsprechend weniger.

Für unsere Hochbeete mit je etwa 2 m² heißt das als grobe Orientierung:

Schwachzehrer-Hochbeet: etwa 6 bis 10 Liter Kompost
Mittelzehrer-Hochbeet: etwa 10 bis 14 Liter Kompost
Starkzehrer-Hochbeet: etwa 16 bis 24 Liter Kompost

Das sind Richtwerte, keine Pflichtmengen. Wenn ein Beet schon sehr humos ist oder im Vorjahr stark gedüngt wurde, eher vorsichtiger sein. Wenn ein Beet sehr mager wirkt, kann mehr nötig sein.

Wann wird im Frühjahr gedüngt?

Die Hauptdüngung mit Kompost oder organischem Biodünger erfolgt nicht möglichst früh, sondern dann, wenn der Boden wieder aktiv wird. Das ist meist Ende April bis Anfang Mai, also wenn sich der Boden erwärmt hat und die Hauptkulturen vorbereitet werden.

Frühe Kulturen wie Spinat, Asiasalate, Radieschen oder Ackerbohnen brauchen normalerweise keine starke Düngung. Sie wachsen oft schon im kühleren Frühjahr und zählen meist zu den weniger hungrigen Kulturen. In einem guten Biogarten reichen die vorhandenen Nährstoffe dafür meistens aus.

Für uns heißt das:

Im zeitigen Frühjahr nicht jedes Beet automatisch stark düngen.
Zuerst schauen, was dort angebaut wird.
Starkzehrer bekommen vor der Pflanzung Kompost.
Schwachzehrer bekommen wenig oder gar keine zusätzliche Gabe.
Bei gekauften organischen Düngern immer die Packungsangabe beachten.

Kompost: der wichtigste Biodünger

Guter Kompost ist einer der besten Dünger im Biogarten. Er versorgt den Boden mit Humus, Nährstoffen und Mikroorganismen. Er verbessert die Bodenstruktur und hilft, Wasser besser zu speichern.

Ein guter Kompost braucht:

eine Mischung aus grünem, feuchtem Material und braunem, trockenem Material
genug Feuchtigkeit, aber keine Staunässe
Luft
gelegentliches Umsetzen
eine Abdeckung, damit er nicht austrocknet oder absäuft

Kompost soll feucht sein, aber nicht nass. In trockenen Jahren muss auch der Kompost gegossen werden, sonst stoppt die Rotte. In sehr nassen Phasen muss er vor zu viel Wasser geschützt werden. Andrea Heistinger beschreibt im Podcast auch, dass reifer Kompost nach Walderde riecht und nicht mehr mitten in der Zersetzung sein soll.

Wichtig: Reifer Kompost soll auch verwendet werden. Wenn Kompost jahrelang liegen bleibt, verliert er einen Teil seiner Düngewirkung. Sehr alter Kompost ist noch als Strukturmaterial oder für Aussaatmischungen nutzbar, aber nicht mehr gleich stark als Dünger.

Wurmhumus und Wurmkompost

Wurmhumus ist ein sehr hochwertiger Biodünger. Er entsteht durch Kompostwürmer, die organisches Material fressen und als feinkrümeligen Humus wieder ausscheiden.

Wurmhumus kann in Wurmkisten auch zuhause oder am Balkon erzeugt werden. Wer einen Terrassetrog hat, kann auch im Trog einen Komposter (LBH: 50 x 50 x 50 cm (die volle Tiefe des Troges)) einrichten. Es hat sich aber gezeigt, dass die Wurmpopulation in harten Winter im Trog aber sehr reduziert ist.

Wurmhumus enthält nicht nur Nährstoffe, sondern auch Mikroorganismen und Huminstoffe. Er kann den Boden stark beleben. Im Podcast wird betont, dass Wurmhumus deutlich nährstoffreicher ist als normaler Gartenkompost. Man braucht daher weniger davon.

Wurmhumus eignet sich besonders:

als kleine Gabe beim Setzen von Jungpflanzen
für Starkzehrer wie Paradeiser, Melanzani, Paprika, Gurken und Zucchini
für Pflanzen in Töpfen
zur Herstellung von Wurmhumus-Tee

Wurmhumus soll nicht als dicke Schicht ausgebracht werden. Besser ist eine kleine Menge direkt im Pflanzbereich oder leicht eingearbeitet.

Mulchen ist im Gemeinschaftsgarten besonders wichtig

Mulchen bedeutet: Der Boden wird mit organischem Material bedeckt. Das kann Rasenschnitt, Heu, Stroh, Laub, gehäckseltes Pflanzenmaterial oder teilweise auch angetrocknete Gründüngung sein.

Mulch hat viele Vorteile:

Der Boden trocknet langsamer aus.
Die Erde wird vor starker Sonne geschützt.
Regen prallt nicht direkt auf den Boden.
Die Erde verschlämmt weniger.
Das Bodenleben bleibt aktiver.
Regenwürmer und Mikroorganismen finden Nahrung.
Unkraut wird teilweise unterdrückt.
Temperaturschwankungen werden abgepuffert.
Nach und nach entsteht Humus.

Gerade bei uns ist Mulchen wichtig, weil im Sommer mehrmals pro Woche gegossen werden muss. Eine offene, nackte Erde trocknet viel schneller aus. Eine Mulchschicht hält die Feuchtigkeit länger im Boden. Das ist besonders bei Hochbeeten wichtig, weil sie schneller austrocknen als Beete am Boden.

Die Umweltberatung schreibt, dass Mulchen Bodenprozesse fördert, natürliche Regelkreisläufe stärkt und auch natürliche Feinde von Schadinsekten und Schnecken unterstützt. (umweltberatung.at) Auch im Podcast wird Mulchen als Möglichkeit beschrieben, den Boden locker zu halten: Die Mulchschicht bremst Regen ab, Wasser kann langsamer einsickern, und Bodenleben wie Mikroorganismen und Regenwürmer bleiben unter der Mulchschicht aktiv.

Womit können wir mulchen?

Geeignet sind:

angetrockneter Rasenschnitt
Heu
Stroh
Laub
Gartenfaser (gibts im Frühjahr zB beim Hofer)
zerkleinerte Pflanzenreste
angetrocknete Gründüngung
klein geschnittene Brennnesseln ohne Samen
Beinwellblätter
Erntereste, wenn sie gesund sind

Rasenschnitt nur dünn auftragen und vorher antrocknen lassen. Frischer, dicker Rasenschnitt kann faulen und schmierig werden.

Laub ist sehr wertvoll, besonders unter Sträuchern, an Beeträndern, in ruhigen Gartenecken und zwischen mehrjährigen Pflanzen. Auf Gemüsebeeten kann Laub als Winterschutz liegen bleiben. Im Frühjahr kann man es zur Seite rechen, wenn gesät oder gepflanzt wird.

Kranke Pflanzenteile gehören nicht als Mulch auf Gemüsebeete. Stark mit Pilzkrankheiten befallene Paradeiserblätter oder sehr kranke Pflanzen besser getrennt über den Restmüll oder die 48er-Biotonne entsorgen.

Laub liegen lassen: gut für Boden und Nützlinge

Im Herbst muss nicht alles „sauber“ weggeräumt werden. Im Naturgarten ist ein Teil der Ordnung absichtlich unordentlich.

Laub ist kein Abfall. Es ist Winterschutz, Nährstoffquelle und Lebensraum. Viele Nützlinge überwintern in Laubhaufen, Pflanzenstängeln, Ritzen, unter Mulch oder in ruhigen Ecken.

Für Marienkäfer ist das besonders wichtig. Marienkäfer sind wertvolle Blattlausjäger. NABU beschreibt, dass Marienkäfer im Herbst Winterquartiere suchen und unter anderem Hohlräume, Mauerritzen und auch Laubhaufen nutzen. (NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.)

Deshalb sollen wir im Garten nicht alles Laub entfernen. Besonders sinnvoll ist:

Laub unter Sträuchern liegen lassen.
Laub in ruhigen Ecken sammeln.
Laub- und Reisighaufen als Winterquartier belassen.
Vertrocknete Staudenstängel nicht überall im Herbst abschneiden.
Erst im Frühjahr aufräumen, wenn es wieder wärmer ist.

Das hilft nicht nur Marienkäfern, sondern auch anderen Nützlingen. NABU weist allgemein darauf hin, dass naturnahe Gärten mit Laub- und Reisighaufen wichtige Winterquartiere für Insekten und andere Tiere bieten. (NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.)

Für unseren Garten heißt das praktisch:

Nicht jedes Beet und jeden Rand im Herbst blank räumen.
Laub dort liegen lassen, wo es nicht stört.
An Wegen kann Laub weg, damit niemand ausrutscht.
Auf Beeten und unter Sträuchern darf Laub bleiben.
Im Frühjahr vorsichtig arbeiten, damit überwinternde Tiere nicht unnötig gestört werden.

Gründüngung: lebender Bodenschutz

Gründüngung bedeutet, dass Pflanzen nicht zur Ernte angebaut werden, sondern zur Bodenverbesserung. Sie bedecken den Boden, durchwurzeln ihn, schützen ihn vor Austrocknung und Erosion und liefern später organisches Material.

Gründüngung kann:

den Boden lockern
Humus aufbauen
Nährstoffe binden
Stickstoff anreichern, wenn Leguminosen dabei sind
Unkraut unterdrücken
Bodenleben füttern
Beete über Winter schützen

Die Umweltberatung beschreibt Gründüngung als einfache, günstige und biologische Methode, um den Boden zu schützen und zu verbessern. Sie kann je nach Pflanzenart als Vorsaat, Zwischensaat oder Nachsaat verwendet werden. (umweltberatung.at)

Im Podcast wird besonders auf Leguminosen hingewiesen, zum Beispiel Wicken oder Platterbsen. Diese Pflanzen leben mit Knöllchenbakterien zusammen und können Luftstickstoff binden. Dadurch versorgen sie nicht nur sich selbst, sondern reichern auch den Boden mit Stickstoff an.

Soll Gründüngung im Herbst oder im Frühjahr eingearbeitet werden?

Für unseren Zweck ist die beste Regel:

Gründüngung vom Vorjahr möglichst über den Winter stehen oder als abgestorbene Mulchdecke liegen lassen. Erst im Frühjahr einarbeiten oder abräumen, wenn das Beet wirklich für die neue Kultur gebraucht wird.

Das ist sinnvoll, weil der Boden dadurch über Winter bedeckt bleibt. Ein nackter Boden ist stärker Wind, Regen, Frost, Austrocknung und Nährstoffverlust ausgesetzt. Die Gründüngung schützt ihn.

Die genaue Behandlung hängt davon ab, welche Gründüngung angebaut wurde.

Fall 1: Nicht winterharte Gründüngung

Nicht winterharte Pflanzen frieren im Winter ab. Dazu gehören je nach Witterung zum Beispiel Phacelia, Buchweizen, Sommerwicken oder manche Senfbestände.

Diese Pflanzen kann man im Winter als schützende Mulchdecke liegen lassen. Sie müssen nicht im Herbst eingearbeitet werden. Im Frühjahr sind sie oft schon teilweise verrottet. Dann kann man die Reste:

oberflächlich einarbeiten
als Mulch zwischen Pflanzen liegen lassen
oder abräumen und kompostieren, wenn das Beet sehr fein vorbereitet werden muss

Das ist besonders praktisch für Beete, die erst später mit Paradeisern, Zucchini, Melanzani oder Kürbis bepflanzt werden. Bis dahin bleibt der Boden geschützt.

Fall 2: Winterharte Gründüngung

Winterharte Gründüngung wächst im Frühjahr weiter. Dazu gehören zum Beispiel Winterroggen, Winterwicke, manche Kleearten oder winterharte Mischungen.

Diese Pflanzen muss man im Frühjahr rechtzeitig stoppen, sonst konkurrieren sie mit den Gemüsepflanzen um Licht, Wasser und Nährstoffe.

Die übliche Vorgehensweise:

Im Frühjahr mähen oder knapp abschneiden.
Das Schnittgut ein paar Tage antrocknen lassen.
Dann flach einarbeiten oder als Mulch verwenden.
Etwa drei bis vier Wochen warten, bevor fein gesät oder gepflanzt wird.

Bingenheimer Saatgut empfiehlt bei winterharter Gründüngung, sie im Frühjahr zu mähen und anschließend einzuarbeiten; der zerkleinerte Grünschnitt soll am besten ein paar Tage antrocknen. Drei bis vier Wochen später kann das Beet wieder bestellt werden. (blog.bingenheimersaatgut.de)

Für unsere Beete heißt das:

Wenn das Beet früh gebraucht wird, die winterharte Gründüngung frühzeitig schneiden.
Wenn das Beet erst im Mai für Starkzehrer gebraucht wird, kann die Gründüngung bis einige Wochen vorher stehen bleiben.
Nicht erst am Tag vor dem Pflanzen einarbeiten. Frisches Material braucht Zeit zum Anrotten.

Fall 3: Sehr viel Gründüngungsmasse

Wenn sehr viel Pflanzenmasse vorhanden ist, nicht alles tief eingraben. Zu viel frisches Material im Boden kann vorübergehend Fäulnis fördern oder Stickstoff binden.

Besser:

einen Teil als Mulch oben liegen lassen
einen Teil kompostieren
nur eine moderate Menge flach einarbeiten
grobe Stängel zerkleinern

Im Gemeinschaftsgarten ist das auch arbeitspraktisch: Nicht jedes Beet muss umgegraben werden. Flaches Lockern, Abschneiden und Mulchen reicht oft.

Gründüngung nicht zu spät einarbeiten

Wenn auf einem Beet bald gesät werden soll, zum Beispiel Karotten, Radieschen oder Spinat, braucht man ein feines Saatbeet. Dann sollte Gründüngung rechtzeitig entfernt oder sehr gut zerkleinert werden.

Für Jungpflanzen wie Paradeiser, Zucchini oder Melanzani ist es weniger heikel. Dort kann rund um die Pflanze Mulch liegen bleiben. Direkt beim Pflanzloch soll der Boden aber frei und gut vorbereitet sein.

Grobe Faustregel:

Für Direktsaat: Gründüngung früher bearbeiten, damit ein feines Saatbeet entsteht.
Für Jungpflanzen: Gründüngung kann länger als Schutz stehen bleiben, aber etwa drei bis vier Wochen vor der Pflanzung schneiden oder flach einarbeiten.
Für spätere Kulturen: Boden so lange wie möglich bedeckt lassen.

Wichtiger Hinweis zur Pflanzenfamilie

Bei Gründüngung muss man auf die Fruchtfolge achten. Nicht jede Gründüngung passt vor jedes Gemüse.

Senf, Ölrettich und andere Kreuzblütler sind nicht ideal vor Kohl, Radieschen, Rucola, Asiasalaten oder anderen Kreuzblütlern. Sie gehören zur gleichen Pflanzenfamilie und können ähnliche Krankheiten und Schädlinge fördern.

Phacelia ist oft günstig, weil sie mit den meisten Gemüsearten nicht eng verwandt ist. Leguminosen wie Wicke, Klee oder Erbse sind gut für Stickstoffaufbau, sollten aber auch in die Fruchtfolge eingeplant werden.

Für uns heißt das: Wenn wir uns nicht sicher sind, lieber einfache Mischungen wählen, die für Gemüsebeete geeignet sind, und bei Beeten mit Kohl oder Radieschen keine Senf-Gründüngung davor verwenden.

Nachdüngen während der Saison

Nicht jede Pflanze braucht während der Saison zusätzlichen Dünger. Wichtig ist: Wie lange steht die Pflanze noch am Beet, und wie viel soll sie noch leisten?

Bei Paradeisern, Paprika, Melanzani, Gurken, Zucchini und Kürbis kann Nachdüngen sinnvoll sein. Diese Pflanzen stehen lange und bilden über Wochen oder Monate Früchte.

Im Podcast wird empfohlen, bei solchen Kulturen eher kleinere Gaben häufiger zu geben, zum Beispiel mit einem milden Flüssigdünger alle zwei bis drei Wochen. Wichtig ist, Mittel zu verwenden, die das Bodenleben fördern.

Geeignet sind zum Beispiel:

Brennnesseljauche, gut verdünnt
Beinwelljauche, gut verdünnt
Komposttee
Wurmhumus-Tee
organischer Flüssigdünger nach Packungsangabe

Pflanzenjauchen sind keine Grunddünger für das Frühjahr. Sie eignen sich eher als Nachdüngung und zur Belebung des Bodens. Das wird auch im Podcast ausdrücklich so beschrieben.

Ab August sollte man im Normalfall nicht mehr stark nachdüngen. Die Pflanzen sollen dann ihre Wachstumsprozesse abschließen. Zu späte starke Stickstoffgaben machen Pflanzen weich und anfälliger.

Stickstoff: wichtig, aber nicht zu viel

Stickstoff ist ein Hauptnährstoff. Pflanzen brauchen ihn für Wachstum und Blattmasse. Aber zu viel Stickstoff ist problematisch.

Zu viel Stickstoff kann dazu führen, dass Pflanzen sehr weich wachsen. Sie werden anfälliger für Krankheiten und Schädlinge, und Gemüse hält oft schlechter. Im Podcast wird ausdrücklich davor gewarnt, Stickstoff in zu großen Mengen zu geben.

Deshalb:

Nicht „viel hilft viel“.
Nicht alle Beete gleich stark düngen.
Starkzehrer gezielt versorgen.
Schwachzehrer sparsam düngen.
Kompostmengen ungefähr einhalten.
Bei Flüssigdüngern immer verdünnen.

Weitere Nährstoffe und Pflanzenstärkung

Pflanzen brauchen nicht nur Stickstoff, Phosphor und Kalium. Auch Calcium, Magnesium und Spurenelemente sind wichtig. Ein Beispiel ist Silizium. Silizium stärkt die Zellwände und kann Pflanzen widerstandsfähiger machen, etwa gegen stechend-saugende Insekten wie Blattläuse.

Ackerschachtelhalm, auch Zinnkraut genannt, enthält viel Kieselsäure beziehungsweise Silizium. Man kann ihn als Jauche oder Brühe verwenden. Im Podcast wird Ackerschachtelhalm als Möglichkeit genannt, Silizium in den Garten einzubringen.

Das ist keine Wundermethode, aber ein sinnvoller Baustein in einem biologisch bewirtschafteten Garten.

Mist, Kaffeesatz und Asche: vorsichtig verwenden

Mist kann ein guter organischer Dünger sein, aber nur mit Vorsicht.

Geeignet sind vor allem gut abgelagerter Kuhmist, Pferdemist oder Ziegenmist. Frischer Mist kann Pflanzenwurzeln schädigen. Hühnermist und Schweinemist sollten nicht direkt aufs Beet, sondern höchstens über den Kompost laufen.

Kaffeesatz ist nicht automatisch ein guter Beetdünger. In kleinen Mengen ist er kein Problem, aber zu viel kann den Boden ungünstig beeinflussen. Besser ist: Kaffeesatz in die Wurmkiste oder auf den Kompost.

Holzasche enthält Nährstoffe, ist aber sehr konzentriert und kann bei zu großer Menge Nährstoffe im Boden festlegen. Asche daher nicht direkt aufs Beet streuen. Wenn überhaupt, dann nur in sehr kleinen Mengen über den Kompost. Im Podcast wird eine Obergrenze von maximal 3 Prozent der Ausgangsstoffe für den Kompost genannt.

Schafwollpellets, Kitosan-Dünger und Wasserspeicherstoffe

Es gibt inzwischen viele organische Biodünger. Schafwollpellets können sinnvoll sein, weil sie langsam Nährstoffe freisetzen und zusätzlich Wasser speichern. Sie passen besonders dort, wo regionale Kreisläufe genutzt werden.

Im Podcast werden auch neuere biozertifizierte Produkte aus regionalen Rohstoffen angesprochen, zum Beispiel Kitosan-Dünger aus Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie und Mehlkäferlarven-Häuten. Kitosan kann Pflanzen in eine Art vorbereiteten Abwehrzustand versetzen. Außerdem wird ein Lignin-basiertes Biogel erwähnt, das Wasser und Nährstoffe speichern kann.

Für unseren Gemeinschaftsgarten sind solche Produkte optional. Die Basis bleibt: Kompost, Mulch, Gründüngung, Wurmhumus und gute Beobachtung.

Gießen und Düngen gehören zusammen

Nährstoffe können nur wirken, wenn der Boden ausreichend feucht ist. In trockenem Boden arbeiten Mikroorganismen langsamer. Auch Kompost und organische Dünger werden dann schlechter umgesetzt.

Da wir im Sommer mehrmals pro Woche gießen müssen, ist der Feuchtigkeitsmesser wichtig. Er hilft, nicht nur nach Gefühl zu gießen.

Mulch unterstützt uns dabei:

weniger Verdunstung
gleichmäßigere Bodenfeuchte
weniger Hitzestress
aktiveres Bodenleben
bessere Nährstoffumsetzung

Beim Gießen gilt: Lieber durchdringend und seltener als ständig nur oberflächlich. Hochbeete trocknen schneller aus, daher dort besonders aufmerksam sein.

Nach Starkregen: Boden nicht vergessen

Starkregen kann offene Erde verschlämmen. Dann kommt weniger Luft in den Boden. Bodenlebewesen brauchen aber Sauerstoff.

Im Podcast wird beschrieben, dass nach Starkregen nicht automatisch nachgedüngt werden muss. Oft reicht es, den Boden wieder zu lockern, damit die Nährstoffmobilisierung wieder in Schwung kommt. Noch besser ist eine Mulchschicht, weil sie den Aufprall des Regens abpuffert und Verschlämmung verringert.

Für uns heißt das:

Offene Erde vermeiden.
Mulchen, wo es möglich ist.
Nach Starkregen verkrustete Stellen vorsichtig lockern.
Nicht tief umgraben, sondern oberflächlich belüften.

Praktische Empfehlung für unsere Beete

Für jedes Beet zuerst klären:

Was wächst dort heuer hauptsächlich?
Starkzehrer, Mittelzehrer oder Schwachzehrer?
Ist noch Mulch oder Gründüngung vom Vorjahr vorhanden?
Soll direkt gesät oder gepflanzt werden?
Wie feucht ist der Boden?

Dann so vorgehen:

Bei Gründüngung vom Vorjahr: bis zur tatsächlichen Beetnutzung stehen oder liegen lassen.
Etwa drei bis vier Wochen vor der neuen Kultur schneiden, antrocknen lassen und flach einarbeiten oder als Mulch verwenden.
Bei viel Masse einen Teil kompostieren.
Vor Starkzehrern Kompost geben.
Vor Schwachzehrern nur wenig Kompost oder gar keine Zusatzgabe.
Nach dem Pflanzen wieder mulchen, aber direkt um den Pflanzenstängel etwas Abstand lassen.
Während der Saison nur bei Bedarf mild nachdüngen.
Ab August nicht mehr stark düngen.

Besonders wichtig für unseren Garten

Der Boden soll möglichst nie nackt sein. Entweder wächst dort Gemüse, Gründüngung, eine Zwischenkultur, oder der Boden ist mit Mulch oder Laub bedeckt.

Das ist einer der wichtigsten Grundsätze für unseren Garten.

Nackter Boden trocknet aus, verschlämmt bei Starkregen, verliert Humus und bietet weniger Lebensraum. Bedeckter Boden bleibt lebendiger, feuchter und fruchtbarer.

Deshalb:

Mulch liegen lassen, wenn er nicht stört.
Laub nicht überall wegräumen.
Gründüngung nutzen, wenn ein Beet frei wird.
Pflanzenreste nur entfernen, wenn sie krank sind oder stören.
Beetränder und ruhige Ecken auch als Lebensraum sehen.
Im Frühjahr erst dann gründlich räumen, wenn wirklich angebaut wird.

Kurze Zusammenfassung

Biologisch düngen bedeutet: Bodenleben fördern statt nur Pflanzen „füttern“.

Kompost ist die Grundlage.
Wurmhumus ist sehr wertvoll, aber konzentrierter.
Starkzehrer brauchen deutlich mehr Nährstoffe als Schwachzehrer.
Mulch schützt vor Austrocknung, Starkregen und Bodenverkrustung.
Laub ist wertvoll und hilft Nützlingen wie Marienkäfern beim Überwintern.
Gründüngung vom Vorjahr bleibt am besten über Winter stehen oder als Mulch liegen und wird erst im Frühjahr bearbeitet, wenn das Beet gebraucht wird.
Winterharte Gründüngung im Frühjahr schneiden, antrocknen lassen und flach einarbeiten oder als Mulch verwenden.
Nicht winterharte Gründüngung kann über Winter als schützende Decke liegen bleiben.
Nicht zu viel düngen, besonders nicht mit Stickstoff.
Pflanzenjauchen und Komposttee sind eher Nachdüngung, keine Grunddüngung.
Ab August nicht mehr stark nachdüngen.
Ein guter Biogarten wird bei guter Pflege von Jahr zu Jahr fruchtbarer.