Der folgende Text basiert auf dem Podcast vom Standard über Schmetterlinge, Artensterben und naturnahe Gärten (https://www.derstandard.at/story/3000000319752/jede-zweite-schmetterlingsart-ist-gefaehrdet-was-koennen-wir-dagegen-tun).
Ergänzt sind praktische Hinweise für pflanzbar und zusätzliche Informationen zum Thema Schmetterlinge im Garten.
Warum geht’s?
Schmetterlinge sind nicht nur schön anzuschauen. Sie bestäuben Blüten, sind Nahrung für Vögel, Fledermäuse und andere Tiere und zeigen uns, ob ein Garten vielfältig und gesund ist. Wenn viele verschiedene Schmetterlinge vorkommen, ist das meistens ein gutes Zeichen: Es gibt Blüten, Raupenfutterpflanzen, Rückzugsorte und möglichst wenig Störung.
Für pflanzbar ist das besonders passend. Wir bauen nicht nur Gemüse an, sondern gestalten gemeinsam einen lebendigen Garten im Wohnpark Alterlaa. Schmetterlinge können dabei ein sichtbares Zeichen dafür sein, dass unser Garten vielfältiger und naturnäher wird.
Was können wir machen?
Für Schmetterlinge reicht es nicht, nur schöne Blühpflanzen zu setzen. Die erwachsenen Schmetterlinge brauchen Nektar. Die Raupen brauchen aber passende Futterpflanzen. Ohne Raupenfutter gibt es keine neue Generation von Schmetterlingen.
Für pflanzbar heißt das: Wir brauchen Blüten vom Frühling bis in den Herbst, aber auch wilde Ecken mit Brennnesseln, Gräsern, Doldenblütlern und heimischen Pflanzen. Ein Garten mit vielen Blüten, aber ohne Raupenfutterpflanzen ist für Schmetterlinge nur eine Tankstelle, aber kein Zuhause.
Brennnessel-Ecken stehen lassen
Brennnesseln sind für viele bekannte Tagfalter sehr wichtig. Die Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs, Admiral, C-Falter und Landkärtchen fressen an Brennnesseln.
Wichtig: Die erwachsenen Schmetterlinge fressen nicht an Brennnesseln. Sie saugen Nektar an Blüten. An den Brennnesseln fressen die Raupen. Sie fressen vor allem die Blätter. Deshalb sollten wir bei pflanzbar einzelne Brennnesselbereiche bewusst stehen lassen und nicht alles entfernen.
Wenn wir Brennnesseln für Brennnesseljauche schneiden, sollten wir vorher schauen, ob Raupen, Eier oder Gespinste darauf sitzen. Besonders von Mai bis August sollte nicht die ganze Brennnesselfläche auf einmal geschnitten werden. Besser ist: immer nur einen Teil schneiden und den Rest stehen lassen.
Frühblüher im Herbst setzen
Viele Schmetterlinge überwintern als erwachsene Falter und fliegen schon früh im Jahr. Dazu gehören zum Beispiel Zitronenfalter, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs. Wenn sie im Frühling aktiv werden, brauchen sie rasch Nektar.
Darum sind Frühblüher wichtig. Geeignet sind zum Beispiel:
- Krokus
- Traubenhyazinthe
- Schlüsselblume
- Märzenbecher
- Wildtulpen
- Salweide
Die Zwiebeln für Frühblüher setzt man im Herbst, ungefähr von September bis November. Sträucher wie Salweide setzt man am besten im Herbst oder im frostfreien Winter.
Blühende Kräuter stehen lassen
Viele Kräuter sind für Schmetterlinge sehr wertvoll, wenn sie blühen dürfen. Bei pflanzbar könnten wir bewusst einzelne Kräuterpflanzen nicht komplett abernten, sondern zur Blüte kommen lassen.
Gut geeignet sind zum Beispiel:
- Oregano/Dost
- Thymian
- Salbei
- Lavendel
- Schnittlauch
- Minze
- Zitronenmelisse
- Ysop
- Fenchel
- Dill
Besonders Oregano/Dost ist im Sommer ein sehr guter Schmetterlingsmagnet. Kräuter sind für uns nützlich und gleichzeitig wertvoll für Insekten, wenn wir sie nicht zu sauber abernten.
Doldenblütler für den Schwalbenschwanz anbauen
Der Schwalbenschwanz ist einer der auffälligsten heimischen Schmetterlinge. Seine Raupen fressen an Doldenblütlern.
Geeignete Pflanzen sind zum Beispiel:
- Wilde Möhre
- Fenchel
- Dill
- Pastinak
- Karotte
- Petersilie
Für pflanzbar wäre sinnvoll: einzelne Fenchel-, Dill-, Petersilien- oder Karottenpflanzen nicht abernten, sondern stehen lassen. So können sie blühen und eventuell auch Raupen ernähren.
Aussaat ungefähr:
- Dill: ab April
- Fenchel: ab April/Mai
- Karotten: ab März/April
- Petersilie: ab März/April oder als Jungpflanze
- Pastinak: ab März/April
Spätblüher für August bis Oktober setzen
Viele Falter brauchen auch im Spätsommer und Herbst noch Nahrung. Gerade dann sind viele Gärten schon abgeerntet oder zurückgeschnitten. Für Schmetterlinge ist es aber wichtig, dass weiterhin etwas blüht.
Geeignete Spätblüher sind zum Beispiel:
- Fetthenne
- Herbstastern
- Flockenblumen
- Skabiosen/Witwenblumen
- Wasserdost
- Dost/Oregano
- Thymian
- Salbei
- ungefüllte Ringelblumen
Stauden setzt man am besten im Frühjahr oder im Herbst. Einjährige Blumen wie Ringelblume, Kornblume oder Borretsch kann man im Frühjahr direkt säen.
Nicht alles gleichzeitig mähen oder zurückschneiden
Viele Eier, Raupen und Puppen sitzen an Blättern, Stängeln oder bodennahen Pflanzenteilen. Wenn jede Ecke ständig sauber gemacht wird, entfernen wir unabsichtlich die nächste Schmetterlingsgeneration.
Darum sollten wir bei pflanzbar nicht alle wilden Bereiche gleichzeitig schneiden. Besser ist abschnittsweise Pflege: Ein Teil wird zurückgeschnitten, ein anderer Teil bleibt stehen. Auch über den Winter sollten manche trockene Stängel stehen bleiben, weil dort Insekten überwintern können.
Keine Spritzmittel gegen Raupen einsetzen
Viele Raupen sehen auf den ersten Blick wie Schädlinge aus. Aber aus ihnen werden Schmetterlinge. Deshalb sollten wir nicht automatisch jede Raupe entfernen.
Bei Gemüse ist trotzdem Aufmerksamkeit wichtig. Kohlweißlingsraupen können Kohl, Rucola und andere Kreuzblütler stark anfressen. Dort ist es besser, gefährdete Kulturen rechtzeitig mit einem Kulturschutznetz zu schützen oder Raupen händisch abzusammeln.
Schmetterlingsfreundlich gärtnern heißt nicht, dass wir unsere Nutzpflanzen aufgeben. Es heißt: Nutzpflanzen gezielt schützen und gleichzeitig an anderen Stellen passende Futterpflanzen für Raupen anbieten.
Welche Pflanzen wann?
| Zeitpunkt | Was tun | Beispiele |
|---|---|---|
| September bis November | Frühblüher-Zwiebeln setzen | Krokus, Traubenhyazinthe, Wildtulpen, Märzenbecher |
| Oktober bis März, frostfrei | Sträucher setzen | Salweide, Faulbaum, Schlehe, heimische Wildrosen |
| März bis April | erste Kräuter und Doldenblütler säen | Petersilie, Karotte, Pastinak, Wilde Möhre |
| April bis Mai | Blühstreifen und Kräuter ergänzen | Dill, Fenchel, Ringelblume, Borretsch, Kornblume |
| Mai bis Juni | wärmeliebende Kräuter setzen | Oregano/Dost, Thymian, Salbei, Lavendel, Ysop |
| Juni bis September | blühende Pflanzen stehen lassen | Dost, Salbei, Fenchel, Dill, Ringelblume, Flockenblume |
| August bis Oktober | Spätblüher fördern | Fetthenne, Herbstaster, Wasserdost, Skabiose |
| ganzjährig | wilde Ecken erhalten | Brennnesseln, Gräser, Klee, Disteln, abgeblühte Stängel |
Warum Schmetterlinge für pflanzbar nützlich sind
Schmetterlinge bestäuben Blüten. Sie sind dabei nicht so effizient wie viele Wildbienen, aber sie tragen trotzdem zur Bestäubung bei. Besonders Blüten mit tieferen Kelchen können sie mit ihrem langen Rüssel gut erreichen.
Noch wichtiger ist aber ihr Wert im gesamten Gartensystem. Raupen sind Futter für Vögel und andere Tiere. Falter reagieren empfindlich auf Veränderungen im Lebensraum. Wenn Schmetterlinge verschwinden, zeigt das oft, dass wichtige Strukturen fehlen: Blüten, Raupenfutterpflanzen, wilde Ecken oder ungestörte Bereiche.
Bei pflanzbar können Schmetterlinge daher ein gutes Zeichen für Artenvielfalt sein. Wenn wir mehr Schmetterlinge sehen, bedeutet das meistens, dass unser Garten nicht nur für Menschen, sondern auch für viele Tiere wertvoller wird.
Was brauchen Schmetterlinge?
Schmetterlinge brauchen vor allem vier Dinge.
- Erstens: Blüten vom zeitigen Frühling bis in den Herbst.
Einmal viele Blüten im Juni reichen nicht. Besonders wichtig sind frühe Blüten im März und April sowie späte Blüten im September und Oktober. - Zweitens: Raupenfutterpflanzen.
Viele Raupen sind sehr wählerisch. Die Raupe des Tagpfauenauges frisst fast nur Große Brennnessel. Der Kleine Fuchs ist ebenfalls stark an Brennnesseln gebunden. Der Schwalbenschwanz braucht Doldenblütler wie Wilde Möhre, Fenchel, Dill oder Pastinak. Der Zitronenfalter braucht Faulbaum oder Kreuzdorn. - Drittens: ungestörte Stellen.
Viele Eier, Raupen und Puppen sitzen an Blättern, Stängeln oder bodennahen Pflanzenteilen. Wenn jede Ecke ständig sauber gemacht wird, entfernen wir unabsichtlich die nächste Generation. - Viertens: keine durchgehend kurz gemähten Flächen.
Ein kurz geschnittener Rasen bietet nur wenigen Arten Nahrung. Eine Blumenwiese, ein wilder Grünstreifen oder eine ungemähte Ecke ist deutlich wertvoller.
Was fressen Schmetterlinge an Brennnesseln?
Die erwachsenen Schmetterlinge fressen an Brennnesseln normalerweise nicht. Sie saugen Nektar an Blüten.
An Brennnesseln fressen die Raupen. Sie fressen vor allem die Blätter. Beim Tagpfauenauge und beim Kleinen Fuchs sitzen die Eier oft auf der Blattunterseite. Die jungen Raupen leben anfangs gemeinsam, oft in kleinen Gespinsten, und fressen dann die Brennnesselblätter.
Das kann wie ein Fraßschaden aussehen, ist aber genau der gewünschte Effekt: Die Brennnessel ist hier nicht Unkraut, sondern Kinderstube.
Wann kommen die Raupen vor und wie sehen sie aus?
| Art | Raupenzeit grob | Futterpflanze | Aussehen der Raupen |
|---|---|---|---|
| Tagpfauenauge | meist Mai bis Juli, bei weiterer Generation auch später | Große Brennnessel | zuerst klein und hellgrünlich mit schwarzem Kopf, später tiefschwarz mit weißen Punkten und schwarzen Dornen; oft viele Raupen gemeinsam in Gespinsten |
| Kleiner Fuchs | vor allem Frühjahr bis Sommer, je nach Generation auch später | Große Brennnessel | dunkel bis schwarz-gelblich, bedornt, anfangs oft in Gruppen an jungen Brennnesseln |
| Admiral | häufig Juni bis Oktober | Brennnessel | stachelige Raupe, Farbe variabel von schwarz bis gelblich-grau, oft einzeln in einem eingerollten Brennnesselblatt |
| C-Falter | Frühjahr bis Sommer | Brennnessel, Hopfen, Johannisbeere, Hasel, Ulme, Salweide | eher einzelgängerisch; bräunlich bis dunkel, später oft mit auffälligen hellen Bereichen, kann wie Vogelkot wirken |
| Schwalbenschwanz | je nach Generation Frühsommer bis Spätsommer | Fenchel, Dill, Wilde Möhre, Karotte, Pastinak, Petersilie | zuerst dunkel mit hellem Fleck, später grün mit schwarzen Querbändern und orange Punkten; sehr auffällig |
| Großer Kohlweißling | Juni bis Oktober | Kohlarten, Kreuzblütler, Kapuzinerkresse, auch Rucola möglich | gelblich-grün mit schwarzen Flecken; junge Raupen oft in Gruppen; bei Gemüse relevant, daher beobachten und absammeln |
Für die Bestimmung helfen Fotos. Auf Wikipedia gibt es bei vielen Arten gute Bilder von Falter, Raupe, Ei und Puppe, zum Beispiel bei Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und Schwalbenschwanz. (https://de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlinge#Raupen)
